MeeGo – Anfang vom Ende oder neuer Aufbruch?

Nokia und Intel gaben heute bekannt, dass die beiden Betriebssysteme Maemo (Nokia’s Internet Tablet Plattform) und Moblin (Intel’s OS für Netbooks) zusammengelegt, und zukünftig unter dem neuen Label MeeGo veröffentlicht werden sollen.

Möglich ist dies, da beide auf Linux basieren und viele Gemeinsamkeiten aufweisen.

Hat hier jemand Angst vor dem großen Bruder Google bekommen, der mit Android und ChromeOS den Weltmarkt erobern will? Genau die Tatsache, dass MeeGo nicht von Google stammt, könnte die Plattform jedoch für viele wieder interessant gestalten. Stellt sich nur die Frage, ob der Zug nicht schon längst abgefahren ist.

Auf meinem N900 habe ich Maemo sehr zu schätzen gelernt. Im Gegensatz zu Android, das ebenfalls auf Linux basiert, bietet Maemo vollen Zugriff auf alle Low-Level Komponenten des Betriebssystems. Ich kann mich über ssh auf meinem N900 einloggen, und es wie einen Linux Server administrieren. Zudem ist es verhältnismäßig einfach für Desktop-Linux Distributionen geschriebene Software auf Maemo zu portieren (was derzeit auch im großen Stil betrieben wird). Da es sich in der Regel um C/C++ Programme, bzw. Python oder Perl Skripts handelt, werden Systemressourcen in der Regel sehr effizient ausgenutzt. Die Software braucht weniger Speicher und ist sehr schnell.

Im Gegensatz dazu verwendet Android einen Java Aufsatz als Schnittstelle für Programmierer. Java bietet wunderbare Entwicklungstools und den Vorteil, dass man einmal ein Programm schreibt, dass auf vielen Plattformen lauffähig ist. Dies resultiert jedoch in mehr Ressourcen-Verbrauch (mehr Speicher und Prozessorleistung).

Werden zwei, wenn auch sehr ähnliche, Projekte zusammengelegt kommt es unweigerlich dazu, dass einzelne Features der Systeme auf der Strecke bleiben. Beispielsweise wird MeeGo als Paketverwaltungssystem nicht mehr das aus Debian kommende, sehr sehr gut funktionierende, .deb Paketsystem verwenden, sondern auf RPM (Redhat Paket System) aufbauen. Aus meiner Redhat/SuSE/Mandrake Zeit erinnere ich mich an diverse Schwächen von RPM, die durch den Umstieg auf Debian/Ubuntu der Vergangenheit angehörten. Ich vermute jedoch, dass sich auch RPM mit der Zeit weiterentwickelt haben wird.

Bleibt die Frage, ob die EntwicklerInnen-Gemeinde dem neuen Projekt treu bleibt. Nokia hat bisher nicht besonders gute Arbeit darin geleistet, EntwicklerInnen die Möglichkeit zu bieten, nachhaltige Software zu schreiben. Applikationen, die unter früheren Maemo Versionen gelaufen sind, mussten für Maemo 5 aufwendig angepasst werden, und kurz nachdem Maemo 5 mit dem N900 veröffentlicht wurde, war bereits die Rede von Maemo 6, das wiederum alles über den Haufen werfen sollte. Zusätzlich ist auch nicht sicher, ob Maemo 6 am N900 überhaupt lauffähig sein wird. Dies ist auch für Enduser keine zufriedenstellende Situation. Wer blättert schon gerne 600€ für ein Tablet hin, und kann aktuelle Software schon nach weniger als einem Jahr nicht mehr einsetzen. Zumindest sollen laut Nokia Geräte die für Maemo 6 entwickelt werden, auch MeeGo ready sein. Als EntwicklerIn muss man sich da schon überlegen, ob man Applikationen schreiben möchte, die in wenigen Monaten so schon wieder nicht mehr einsetzbar sein wird. Und nun soll mit MeeGo gleich ein ganzes neues Betriebssystem kommen… Wenn dies schlussendlich zu nachhaltiger Software führt, die auch über mehrere Versionen des Betriebssystems einsetzbar ist, kann man sich damit schon Freunde machen.

Wir dürfen gespannt sein, was die Fusion ergibt. Bleibt zu hoffen, dass das Resultat mehr als die Summe der Einzelteile ein wird, und nicht umgekehrt. Eine Alternative zum allmächtigen Google-Universum ist aus meiner Sicht, nicht zuletzt zur Vermeidung von Monopolen und der Sicherstellung freier Wahlmöglichkeiten, sehr zu begrüßen.

Quellen:

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