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Tag: Thinkpad Tablet

Viele wird es sicher freuen, dass Apple nach seinem weltweiten Feldzug gegen Samsung und Co. wegen Kopieren des iPad Designs von einem Britischen Richter ein empfindlicher Dämpfer verpasst wurde. Wer aber, wie ich ein iPad besitzt, und daher für die Nutzung der Patente sozusagen Lizenzgebühren bezahlt hat, könnte das vielleicht etwas differenzierter sehen.

Die Diskussion hinsichtlich der Ausprägungen der juristischen Landschaft rund um die Idee der Patente ist nicht ganz so trivial abzuschließen. Einerseits vertrete ich den Standpunkt, dass Wissen für alle Menschen frei zugänglich sein sollte, andererseits verstehe ich jedoch auch, dass jemand aus einer Idee Profit ziehen möchte. Es muss sehr frustrierend sein, wenn man einen tollen Einfall hat, diesen dann, eventuell auch mit erheblichen Kosten, in die Praxis umsetzt, und kurze Zeit später hat jemand die Idee kopiert, verdient damit Geld und verkauft diese als die seine. Von dieser Warte betrachtet sind Apple’s Aktionen verständlich. Man hat Entwicklungsarbeit in iPhone, iPad und Co. gesteckt, und Firmen wie Samsung oder Asus versuchen an den Erfolg dieser Geräte anzuknüpfen, indem sie ähnlich aussehende Tablets und Smartphones bauen. Die Bedienung dieser Geräte ist zweifelsfrei eine ganz andere, läuft ja auch Android darauf.

Verhandelt wurde bei den jüngsten Streitigkeiten ja nur über das äußere Aussehen (flaches, schwarzes, rechteckiges Gerät mit einer Glasscheibe). Die Frage stellt sich, ob derart einfache Entwurfsmuster wirklich patentierbar sein sollten. Man könnte auf die Idee kommen, sich ein Patent für ein weißes Haus ausstellen zu lassen. Jeder oder jede der oder die sich nun ein Haus baut, und dieses weiß anstreicht, würde mir dann Patentgebühren zahlen müssen, ui fein.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Miesere recht einfach lösbar wäre. Komme ich mit etwas neuem auf den Markt (d.h. mit etwas, was vorher so noch nicht da gewesen ist), dann kann ich mir die Rechte auf diese Idee für einen bestimmten Zeitraum sichern. Die Zeitspanne, in der ich mir diese Idee “sperren” lassen kann, darf in unserer schnelllebigen Zeit aber nicht allzu lange sein (vielleicht zwei bis fünf Jahre). Der Clou dabei, ich muss diese Idee öffentlich zugänglich machen. Verwendet nun jemand meine Idee, so muss mir diese Person oder Organisation eine entsprechende Entschädigung (Lizenzgebühren) zahlen. Dies verschafft mir den Vorteil, dass ich mein Produkt billiger als andere anbieten kann, da ich selbst keine Lizenzgebühren zu zahlen habe. Fraglich an diesem System ist nur, ob es sich dann für Unternehmen rentiert, große Summen in Entwicklungsarbeit zu stecken, wenn das Wissen dann von Dritten legal gegen eine gewisse Gebühr verwendet werden kann. Gut, über Sinn und Unsinn diverser Patent- und Lizensierungsmodelle wird sicher noch länger zu debattieren sein.

Was nun aber in Großbritannien entschieden wurde, hebt die Debatte in neue Sphären. Es wurde nicht nur Apple’s Ansuchen abgewiesen, dass von Samsung produzierte Galaxy-Tab würde äußerlich wie das iPad aussehen, Apple wurde zudem dazu verpflichtet, öffentlich bekannt zu machen, dass das Galaxy-Tab kein Apple Produkt sei. Unter anderem soll Apple diesen Umstand für 6 Monate auf seiner Website bekanntmachen. Viele werden sich denken, dass hier der Schuss wohl etwas nach hinten losgegangen ist. Mag sein, aber die Entscheidung ist doch etwas merkwürdig. War doch die Aussage des Richters, das Galaxy Tab sei bei weitem nicht so cool wie das iPad. Vergleichbar ist diese Auflage mit der aus  der Presse üblichen Entgegnungen. Auch diese können für die klagende Partei oft zur Retourkutsche werden, wenn die Zeitung die Entgegnungen etsprechend garniert. Ich weiß nun ja nicht, wie die genauen Auflagen für die Publikation sind, Apple könnte jedoch einfach auf seiner Website verkünden: “Dies ist kein Apple Produkt, obwohl es so aussieht. Es ist aber bei weitem nicht so cool, dann cooles produzieren nur wir bei Apple”. Oder: “Original nur mit dem Apple Logo drauf” ;-) . Mal sehen was den kreativen Köpfen in Cupertino dazu so einfällt.

Weblinks:

AndroidPIT: Apple muss öffentlich eingestehen: Galaxy Tab keine iPad Kopie

 

Lenovo Thinkpad Tablet

Vor ca 2 Monaten brachte Lenovo sein erstes Android Tablet mit dem innovativen Namen Thinkpad Tablet heraus. Während die Hardware-Spezifikationen denen anderer aktueller Android Tablets gleichen (Nvidia Tegra2 Chipsatz, 1GHz Dualcore CPU etc.) bietet dieses Tab auch einen aktiven Digitizer zur Stifteingabe und ein optionales Tastatur-Folio.

Als langjähriger zufriedener Thinkpad X Tablet User war ich natürlich sehr erfreut über diese Nachricht. Endlich ein leichtes Tablet, mit dem ich, wie bisher gewohnt, in Sitzungen per Stift mitschreiben kann.

Nun habe ich mein Tablet seit einigen Wochen. und blicke mit gemischten Gefühlen darauf.

20 Stunden Ladezeit sind “normal”.

Eigentlich ist die Möglichkeit, das Gerät über MicroUSB laden zu können eine feine Sache. Von Smartphones erwarten wir uns das mittlerweile (auch dank EU Richtlinie), bei Tablets werden nach wie vor oft eigene Stromstecker verbaut. Wie sich hier nun zeigt mit Grund, da USB leider nicht genug Energie liefert, um das Gerät gleichzeitig zu laden und zu nutzen. Zumindest bei diesem Gerät nicht, kann auch sein, dass Lenovo hier gepfuscht hat. Dieser Umstand muss Lenovo jedoch bekannt gewesen sein. Jedes Produkt wird vor der Auslieferung doch getestet (möchte man meinen). Der aus meiner Sicht einzige Weg zur Behebung dieses Problems wäre, dass Lenovo allen KäuferInnen einen Adapter zum Laden über den Dock-Port nachliefert, der das Gerät in angemessener Zeit lädt. Mit der, für ca. 60€ zuätzlich zu kaufenden Docking-Station funktioniert das laden nämlich prima. Hier kommt der Strom eben nicht über den MicroUSB Port, sondern den Lenovo eigenen Dock-Port, über den das Gerät angesteckt wird. Die Aussage des Lenovo Support gegenüber eines Thinkpad Tablet Slate Forum Users war jedoch: 20 Stunden Ladezeit seien bei diesem Gerät “normal”. Wird das Gerät nicht genutzt, reduziert sich die Ladezeit auf “nur” ca. 4-5 Stunden.

Hardware OK, Software ist BETA.

Auf Hardware-Seite gibt es wenig zu bekritteln. Das Tablet ist zwar ein wenig dicker und schwerer als seine Mitbewerber aber sehr schön verarbeitet. MicroUSB Stecker und Power Knopf sollte man jedoch etwas vorsichtig behandeln, da in den Support-Foren einige Fälle dokumentiert sind, bei denen diese lose wurden. Nachdem auch mein N900 sich damals seines microUSB Steckers entledigt hatte, bin ich hier jedoch übervorsichtig.

Beim derzeitigen Software-Stand kann das Gerät niemanden empfohlen werden, der / die nicht EntwicklerIn ist, mit Bugs leben kann und sich bei Problemen zu helfen weis. Als business Gerät, wie in der Werbung gepriesen, ist das Gerät sicher nicht geeignet.

Anfänglich betrug die Boot-Zeit bis zu 5 Minuten. Die, im Vergleich zu anderen Tablets mit ähnlicher Ausstattung sehr langsame Reaktionszeit wäre ja noch zu ertragen, wenn es nicht immer zu Software-Abstürzen kommen würde. Egal ob Browser, Market oder Google Maps – mitten in der Arbeit steht ein Hinweis, dass es “uns” leid tut, aber das aktuelle Programm abgesemmelt ist. Bei meinem Galaxy S2 gibt es derartige Vorkommnisse nicht.

Nach dem letzten Update hatte sich Lenovo auch schon ins nächste Fettnäpfchen gesetzt. Das lang ersehnte Firmware-Update wurde vor eineinhalb Wochen zunächst in den USA ausgerollt. Leider mit dem Erfolg, dass einige Geräte nach dem Update nicht mehr funktionsfähig waren. Wie sich herausstellte wurde bei diesem Update auch die Akku Firmware erneuert. Hatte man während des Updates das Gerät nicht mit der Ooriginal USB Kabel angesteckt, hatte es nach dem Update nicht mehr genug Saft um zu starten, und das Gerät hatte blöderweise den Akku “vergessen”. Das sind Fehler, die einfach nicht passieren dürfen. Lenovo zog das Update dann vorübergehend auch aus dem Verkehr, bot kurz darauf jedoch eine abgespeckte Version an, die Reibungslos installiert werden konnte. Seit diesem Update ist die Boot-Zeit von vormals 5 Minuten auf 30 Sekunden gesunken. Die allgemeine Performance konnte ebenfalls um einiges gesteigert werden.

Vor dem Kauf wurde mir seitens eines ubook Vertreters versichert, dass es für das Thinkpad Tablet auf jeden Fall ein Update auf Android 4.0 geben wird. Bis heute hat sich Lenovo – im Gegensatz zu anderen Herstellern – hierzu nicht geäußert. Die Firmen-Richtlinien sind sogar derart, dass auf Diskussionen die im Lenovo-Eigenen User Forum defakto überhaupt nicht geantwortet wird. Lenovo argumentiert, dies sei ein User helfen User Forum. Ein ähnliches Vorgehen konnte ich seinerzeit bei Nokia in Zusammenhang mit dem N900 beobachten. Man hatte eine, sehr aktive, EntwicklerInnen-Gemeinde, die gewillt war mit dem Unternehmen an Projekten zu arbeiten, Beta-Versionen zu testen etc. Dies wurde jedoch in keiner Weise genutzt. Updates oder ein Release-Plan wurden nicht vorher bekannt gegeben, und die User im Dunkeln gelassen. Das N900 ist bekannter Weise kurz darauf “gestorben”.

Lenovo hat mit seiner Vorgehensweise einige seiner treuen Kunden sehr unmutig gestimmt. Viele werden sich zukünftig überlegen, Thinkpad Geräte zu kaufen. Dummerweise sind gerade IT EntscheidungsträgerInnen in diesem Forum zu finden, die in ihren Unternehmen für den Ankauf ganzer Geräte-Flotten verantwortlich sind.

Handballen-Erkennung mangelhaft

Wer, wie ich schon seit vielen Jahren, ein Thinkpad X Tablet sein eigen nennt weiß, wie toll der Vacom Stift dieser Geräte funktioniert. Sobald der Stift in die Nähe des Bildschirms kommt, wird die Touch-Funktion deaktiviert, und nur der Stift ist für die Eingabe zuständig. Man möchte meinen, dass Lenovo diese langjährige Erfahrung auch auf seine Android-Tablets übernimmt. Falsch gedacht. Angeblich sollte das Gerät ebenfalls über eine Handballen-Erkennung verfügen, diese Funktioniert jedoch nur in bestimmten Apps, und auch dort nur bedingt. Ich hoffe jedoch, dass auch dieses Problem Softwaremäßig gelöst werden können wird.

Das Tastatur-Folio

Thinkpad Tablet Folie ausgebreitet hingelegt.Nach nur 6-wöchiger Wartezeit ist nun auch das Tastatur-Folio eingetroffen. Im Gegensatz zum Tastatur-Dock des ASUS Transformer, dass mit eigenem Akku und zusätzlichen Anschlüssen daherkommt, ist das Lenovo-Folio eine wacklige Geschichte. Von aussen sieht es wie eine Leder-Aktenmappe aus. Klappt man es auf, kann auf der einen Seite das Tablet über den USB Port angesteckt werden. Hier haben Lenovo Produkt-Designer wirklich mitgedacht, denn der für das Tablet als Verkaufsschlager angepriesene echte USB Port ist damit verbaut. Man hätte ja auch in das Folie einen Hub einbauen können, und auf der Seite einen USB-Port anbringen, aber daran scheint man nicht gedacht zu haben, wäre ja eine Innovation sowas.

Thinkpad Tablet Folie aufgestelltEinmal aufgestellt lässt sich mit dem Folie ober wirklich gut tippen. Hier kann man sich auf eine Thinkpad Tastatur freuen, wenn auch nicht ganz gleich der Qualität richtiger Thinkpad Tastaturen, so ist sie doch qualitativ in Ordnung. Der optische Trackpoint ist jedoch keine gelungene Innovation. Ja er funktioniert, und schön, man hat damit in das kleine Dock einen Mouse-Ersatz eingebaut, aber wie. Man stelle sich ein 2cm Touchpad vor – voilla. Nichts anderes ist dieser nämlich. Argumentiert wird diese Entscheidung Seitens Lenovo wegen des geringen Platzes. Ein echter Trackpoint wäre nämlich anscheinend zu hoch geworden. Meine meinung – nonsence. ICH WILL MEINEN ECHTEN TRACKPOINT! Beim Arbeiten resultiert das nun darin, dass ich den optischen Trackpoint so gut wie nie verwende, sondern lieber auf den Screen tippe. Nun gut, steckt man eben eine Maus dazu… Auchja, der USB-Port ist ja verbaut – *nirg*. Ich werde es einmal mit einer Bluetoth Maus versuchen. Akku-Mäßig fällt das Dock dank USB Anbindung nicht wirklich ins Gewicht.

Thinkpad Tablet Folie kann nicht in der Hand gehalten werdenAuf einer Fläche wie dem Schreibtisch, einem Küchentisch oder ein kleines Tischchen im Zug steht das Folio wunderbar. Die Magnethalterung sorgt für guten Halt des Tablets an der Tastatur. Nur wehe dem, der das Folie mit eingestecktem Tablet in eine Hand nehmen, und durch die Gegend wandern möchte, oder sich gar irgendwo in die Ecke setzen will und keine fixe Unterlage zur Verfügung steht. Hier war nämlich ebenfalls ein kreativer Lenovo-Designer am Werk. Der hintere Teil der Unterseite ist nämlich keine stabile Fläche, und biegt sich nach unten, wenn sie auf keinem festen Untergrund steht. Ist man unachtsam, kann es passieren, dass die Magneten der Tablet-Halterung nachgeben, und das Tablet Kopfüber nach unten hängt. Es sollte zwar nicht aus der Verankerung fallen, aber wenn es blöd kommt, könnte auch das passieren. Zwar sollte das Thinkpad Tablet einen Sturz aushalten – es gibt dazu ein nettes Stresstest-Video, doch ausprobieren möchte ich dies lieber nicht.

Fazit

Trotz all der Mängel möchte ich mein Tablet momentan nicht gegen ein anderes Gerät tauschen, da es prinzipiell all meine Anforderungen erfüllt. Abgesehen von ein paar Kleinigkeiten sind die meisten zur Zeit aufscheinenden Probleme Software-Technischer Natur. Ich hoffe, Lenovo wird hier noch gründlich nachbessern. Mit dem ersten Update, dass ich erleben durfte, wurden schon die lange Boot-Zeit, Performance und einige andere Kleinigkeiten massiv verbessert. Ich habe mir jedoch von Anfang an keine Illusionen gemacht, dass es meinen Thinkpad-Convertable auf Reisen vollständig ersetzen wird. Massiv entteuscht bin ich von Lenovo dahingehend, dass man ein halb-fertiges Gerät als BUSINESS Maschine auf den Markt geworfen hat, beim Design anscheinend alles über Board geworfen hat, was man von IBM mitbekommen hat, und die Kunden großteils nun im Regen stehen lässt. Würde das bald erscheinend ASUS Transformer Prime einen aktiven Digitizer sein eigen nennen, würde ich keine 10 Minuten nachdenken, wo meine nächste Investition landen wird. Nachdem Android 4.0 nun auch eine Unterstützung für Stifteingabe enthält, bin ich guter Hoffnung, dass uns im Laufe des nächsten Jahres noch einige derartige Geräte angeboten werden.